PDF-Ratgeber
Die Zahlen und Quellen stehen als kompakter PDF-Ratgeber zur Verfügung, zum Weitergeben an Leitung, Kollegium, Elternvertretung, Träger oder Ausbildungsteam.
Zahlen-Ratgeber herunterladenDie wichtigsten Zahlen
Die Studienlage zeigt kein einzelnes Problem, sondern ein wiederkehrendes Muster: Junge Menschen bewegen sich früh in einer Geldwelt, die komplexer, digitaler und schneller geworden ist. Gleichzeitig bleibt systematische Geld- und Finanzbildung lückenhaft.
80 %
der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland sagen, sie lernen in der Schule wenig oder so gut wie nichts über Wirtschaft und Finanzen.
Bankenverband Jugendstudie 2024
86 %
wünschen sich in Deutschland ein eigenes Schulfach Wirtschaft.
Bankenverband Jugendstudie 2024
17 %
der Fünfzehnjährigen in Österreich bleiben bei PISA Financial Literacy unter der Grundstufe.
IQS / PISA 2022
5,43/10
erreicht die Schweiz im True Wealth Finanzkompetenzindex 2025.
True Wealth / ZHAW 2025
Deutschland
Die Jugendstudie 2024 des Bankenverbands, durchgeführt von Kantar mit 700 Befragten zwischen 14 und 24 Jahren, liefert besonders klare Signale: 80 % sagen, sie lernen in der Schule wenig oder so gut wie nichts über Wirtschaft und Finanzen. 86 % wünschen sich ein eigenes Schulfach Wirtschaft. 92 % möchten generell mehr Finanzthemen im Unterricht.
Auch einzelne Wissensfragen zeigen die Lücke: Laut Veröffentlichung kennen 18 % ungefähr die Inflationsrate, 35 % können die Rolle der Europäischen Zentralbank erklären und 27 % wissen nicht, was eine Aktie ist. Für Schulen heißt das: Der Wunsch nach mehr Wirtschaft und Finanzbildung ist bei jungen Menschen selbst vorhanden.
Quellen: Bankenverband Artikel und Jugendstudie PDF.
Österreich
Österreich wurde bei PISA 2022 erstmals in Financial Literacy erfasst. Das IQS berichtet 506 Punkte für Österreich gegenüber 498 Punkten im OECD-Schnitt. Gleichzeitig bleiben 17 % der getesteten Fünfzehnjährigen unter der Grundkompetenzstufe.
Der FLiP/YEP-Jugendbericht ergänzt die Perspektive der Jugendlichen: 48 % geben fehlendes Finanzwissen an und 51 % fühlen sich nicht ausreichend auf ihre finanzielle Zukunft vorbereitet. Eine spätere FLiP/YEP-Auswertung nennt zudem deutliche Unterschiede nach Schulform: 72 % der AHS-Schüler berichten wenig oder keine Finanzbildung, bei BHS-Schülern sind es 17 %.
Quellen: IQS PISA 2022, FLiP/YEP Jugendbericht 2024 und FLiP/YEP Auswertung 2026.
Schweiz
Der True Wealth Finanzkompetenzindex 2025, wissenschaftlich begleitet durch die ZHAW, weist für die Schweiz einen Wert von 5,43 von 10 Punkten aus. Die Befragung umfasst 2.043 Personen. Bei einer komplexeren Frage konnten nur 21 % die richtige Antwort geben.
Die Schweizer Zahlen sind kein Schulranking. Sie zeigen aber, dass Finanzkompetenz auch in einem wohlhabenden und wirtschaftlich starken Umfeld keine Selbstverständlichkeit ist. Genau deshalb bleibt Geldbildung auch hier eine Bildungsfrage.
Quellen: True Wealth Report 2025 und True Wealth Methodik.
OECD und international
PISA 2022 zeigt international, dass Finanzkompetenz nicht mehr als spätes Erwachsenenthema behandelt werden kann. In den 14 teilnehmenden OECD-Ländern erreichen durchschnittlich 18 % der Fünfzehnjährigen nicht die Grundstufe. Gleichzeitig haben rund 60 % ein Konto oder eine Karte und mehr als 85 % haben online eingekauft.
Das ist der eigentliche Bruch: Junge Menschen sind längst in finanziellen Situationen, bevor Bildungseinrichtungen systematisch darauf vorbereiten. Bildung muss deshalb früher anfangen und neben Produktwissen auch Urteilskraft, Werte und Alltagssituationen aufnehmen.
Quelle: OECD PISA 2022 Results, Volume IV.
Ausbildung und Berufsstart
Für Auszubildende und junge Erwachsene wird Geldbildung besonders konkret. Das erste eigene Einkommen, Versicherungen, Konsum, Ratenzahlung, Mobilität und Auszug gehören oft in dieselbe Lebensphase. Destatis berichtet für unter 25-Jährige, die 2024 in der Schuldnerberatung waren, durchschnittlich 11.269 Euro Verbindlichkeiten.
Creditreform weist im SchuldnerAtlas zudem auf eine steigende Überschuldungsquote bei unter 30-Jährigen hin. Diese Zahlen sagen nicht, dass junge Menschen mit Geld „schlecht umgehen“. Sie zeigen: Der Start ins Erwachsenenleben braucht Orientierung, bevor Entscheidungen teuer werden.
Quellen: Destatis Pressemitteilung und Creditreform SchuldnerAtlas.
Hochschulen
Für Hochschulen ist Geldbildung Teil einer größeren Frage: Wie praxisnah und beschäftigungsfähig ist akademische Bildung? Das CHE beschreibt den Übergang in den Arbeitsmarkt und den Berufsbezug des Studiums als wichtige Orientierungspunkte und erfasst dafür unter anderem Lehre durch Praktiker, berufspraktische Elemente, Angebote zur Berufsorientierung und Studierendenurteile.
Der Hochschulbildungsreport von Stifterverband und McKinsey bewertet das Handlungsfeld „Beruflich-akademische Bildung“ zum Abschluss mit 46 von 100 Punkten. Er ordnet ein, dass von einer stärkeren Verbindung beruflicher und akademischer Bildung Hochschulen, Wirtschaft und Studierende profitieren können.
Für private Hochschulen entsteht daraus ein klares Profilfeld: Finanzielle Urteilsfähigkeit ist keine Konkurrenz zur akademischen Tiefe. Sie macht diese Tiefe anschlussfähig an reale Entscheidungen nach dem Abschluss.
Quellen: CHE Ranking-Methodik und Hochschulbildungsreport.
Einordnung der Quellen
Nicht jede Quelle kommt aus einem neutralen staatlichen Auftrag. Der Bankenverband, Erste Financial Life Park, YEP, True Wealth und wirtschaftsnahe Institutionen haben jeweils eigene Perspektiven. Deshalb nennen wir Auftraggeber und Quelle offen, verbinden mehrere Studien miteinander und trennen Zahlen zur Finanzkompetenz sauber von Kontextstudien wie der Shell Jugendstudie.
Die Shell Jugendstudie 2024 ist eine wertvolle Kontextquelle, weil sie die Lebenswelt junger Menschen zwischen 12 und 25 Jahren beschreibt: Zukunftssorgen, Vertrauen, Arbeit, Werte und gesellschaftliche Orientierung. Sie wird hier bewusst nicht als Finanzbildungsstudie genutzt, solange kein konkreter Finanzbildungsbefund aus dem Original belegt ist.
Für die Arbeit vom Institut für Geldkultur® ist die Folgerung klar: Finanzbildung erklärt Produkte. Geldbildung macht urteilsfähig. Belastbare Zahlen helfen beim Begründen. Die eigentliche Bildungsentscheidung betrifft jedoch Haltung, Unabhängigkeit, Didaktik und die Frage, ob junge Menschen mit Geld reif umgehen lernen.
Häufige Fragen
Quellen
Alle folgenden Links wurden beim Anlegen dieses Ratgebers geprüft. Externe Seiten können sich ändern. Alle Quellen wurden sorgfältig recherchiert. Links können sich ändern.
- Bankenverband: Jugendstudie 2024 Finanzbildung mit Defiziten
- Bankenverband: Jugendstudie 2024 PDF
- IQS: PISA 2022 Financial Literacy Österreich
- FLiP/YEP: Jugendbericht 2024 PDF
- YEP/FLiP: Auswertung 2026 PDF
- True Wealth: Finanzkompetenzindex 2025 Report
- OECD: PISA 2022 Results, Volume IV PDF
- Destatis: Unter 25-Jährige in der Schuldnerberatung 2024
- Creditreform: SchuldnerAtlas Deutschland
- Shell: 19. Shell Jugendstudie 2024
- CHE: Baustein Arbeitsmarkt- und Berufsbezug
- Hochschulbildungsreport: Beruflich-akademische Bildung
Weitere Einordnung zur Haltung finden Sie auf den Seiten Unabhängige Geld- und Finanzbildung und Warum Finanzbildung zu kurz greift.
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