Die Szene

Donnerstag, vierzehn Uhr. Besprechungsraum mit Glaswand. Die Vorgesetzte hat sich Zeit genommen. Auf dem Tisch ein Notebook, ein Kaffeebecher, ein Block. Sie selbst hat sich vorbereitet. Drei Punkte, die sie ansprechen möchte. Den dritten hat sie heute Morgen wieder gestrichen.

Die Vorgesetzte fragt freundlich, wie sie zurück ist. Sie sagt: „Gut, danke." Stille. Dann beginnt sie ihren ersten Punkt. Sie beginnt mit dem Wort „Eigentlich".

Was im Raum mitschwingt

Das Wort „Eigentlich" ist kein Zufall. Es ist das verbale Vorzeichen einer Geldgeschichte. Wer mit „eigentlich" beginnt, hat innerlich schon halb zurückgenommen, was er gleich sagen wird. Er bittet im Voraus um Verzeihung für die Zumutung der eigenen Forderung.

Sie ist zwei Jahre weg gewesen. In diesen zwei Jahren ist viel passiert: Verantwortung für ein Kind. Schlafentzug. Organisationskunst auf hohem Niveau. Verhandlungen mit Kindergärten, Ärzten, Großeltern, Versicherungen. Eine Lernkurve, die in keinem Lebenslauf erscheint. Aber sie kam zurück mit dem Gefühl, „erst einmal beweisen zu müssen".

Genau das ist die Geldgeschichte, gegen die sie verhandelt. Nicht die Vorgesetzte. Sich selbst.

Wo es kippt

Es kippt im Moment, in dem sie die Zahl sagen müsste. Sie sagt sie nicht. Sie sagt einen Satz drumherum. „Vielleicht wäre eine Anpassung möglich." Die Vorgesetzte nickt verständnisvoll. Und nutzt diese Lücke, in die jeder Vorgesetzte gerne tritt: Sie fragt zurück. „An was hatten Sie denn gedacht?"

Jetzt müsste die Zahl kommen. Jetzt kommt das, was viele in dieser Lage tun: ein Bereich. Ein „so zwischen X und Y". Was eine Verhandlungstaktik klingt, ist meistens das Gegenteil. Es ist Unsicherheit, sprachlich verkleidet. Die Vorgesetzte hört sofort die untere Grenze. Und sie wird ab jetzt mit der unteren Grenze weiterarbeiten.

Die alte Stimme

Hinter dieser sprachlichen Vorsicht steht selten ein rationaler Grund. Es steht eine alte Stimme dahinter. Vielleicht die Stimme der Mutter, die sich nie etwas zugestanden hat. Vielleicht die Stimme einer Lehrerin, die gesagt hat, „nicht so vorlaut sein". Vielleicht die Stimme einer Kollegin in einem früheren Job, die sie damit konfrontierte, „sich nicht zu wichtig zu nehmen".

Diese Stimmen sind nicht im Termin. Aber sie sprechen mit. Sie diktieren das „Eigentlich". Sie diktieren den Bereich statt der Zahl. Sie diktieren das Lächeln, das ihre Forderung weichzeichnet.

Eine andere Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung auf eine Gehaltsverhandlung beginnt nicht mit dem Markvergleich. Sie beginnt mit zwei Sätzen, die man laut, allein, vor dem Spiegel ausspricht.

„Mein Beitrag ist messbar und konkret." „Ich nenne eine Zahl, ich begründe sie, ich verteidige sie."

Diese beiden Sätze sind nicht für die Vorgesetzte gedacht. Sie sind dafür gedacht, die alte Stimme leise zu drehen. Damit im Termin die heutige Frau spricht. Nicht das Echo aus dem Kinderzimmer.

Was sie sich selbst sagen darf

„Ich war nicht zwei Jahre weg. Ich war zwei Jahre lang in einer Schule, in der ich Dinge gelernt habe, die ich nie wieder verlernen werde." „Ich verhandle nicht für mich allein. Ich verhandle für jede Frau, die nach mir an diesem Tisch sitzen wird." „Eine klare Zahl ist ein Akt der Wertschätzung. Mir gegenüber. Und meinem Gegenüber."

Wer mit diesen Sätzen in den Termin geht, sagt vielleicht nicht das Doppelte. Aber das Eigentliche.

Der Impuls

Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Sie wiederholt sich täglich, in tausenden Varianten, an Küchentischen, in Banktermine, in Beziehungen. Und in jeder Variante funkt sie rein: die eigene Geldkultur®.

Im Geldkultur® Dialog° gibt es 90 Minuten Raum, genau solche Gespräche zu üben, bevor sie ernst werden. Keine Beratung, kein Verkauf. Ein offenes Gespräch unter Menschen, die ihre Sprache über Geld bewusst entwickeln möchten.

Wer regelmäßig in solche Situationen kommt, findet im Institut für Geldkultur® Formate für Familien, Paare, Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Damit aus dem nächsten Geld-Gespräch nicht wieder ein Stellvertreterkrieg alter Geschichten wird.