Institut für Geldkultur®
    Ratgeber/Finanzbildung für Kinder

    Ratgeber

    Ihr Kind und das Geld,
    warum Finanzbildung für Kinder heute dazugehört

    Kinder wachsen heute mit Geld auf, bevor sie es verstehen können. Diese Elterninformation zeigt, was Geldbildung von Finanzbildung unterscheidet, was emotionale und rationale Kompetenz bedeutet und woran Sie unabhängige Finanzbildung für Kinder erkennen.

    Lesezeit ca. 7 Min. Für Eltern während der gesamten Schulzeit

    Elterninformation

    Diese Elterninformation steht Ihnen auch als kompakt aufgebautes Informationsblatt zur Verfügung, zum Beispiel zum Mitnehmen zum Elternabend oder zum Weiterschicken an die Familie.

    Elterninformation herunterladen

    Warum Ihr Kind heute Geld lernen sollte

    Mit Geld hat jede Familie zu tun, in jeder Lebenslage, jeden Tag. Und jedes Kind entwickelt von Geburt an eine Beziehung dazu: durch das, was es erlebt, was es sieht und was zu Hause darüber gesagt wird, oder auch verschwiegen wird. Die Frage ist nie, ob Ihr Kind eine Geldkultur® entwickelt, sondern welche.

    Was sich gegenüber früher geändert hat, ist der Rahmen. Geld ist unsichtbar geworden: Bezahlen geschieht per Karte, per Handy, per Fingerabdruck. Werbung erreicht Kinder auf jedem Bildschirm und ist auf Aufmerksamkeit ausgelegt, auch auf die von Siebenjährigen. Ratenkauf und Abo-Fallen sind zwei Klicks entfernt, lange bevor die Schulzeit endet.

    Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass Unterstützung nicht selbstverständlich ankommt: Die PISA-Studie weist für die Finanzkompetenz von Fünfzehnjährigen deutliche Unterschiede entlang der sozialen Herkunft aus (PISA 2022, Band IV). Geldbildung ist deshalb keine Karrierefrage. Sie ist eine Frage der Vorbereitung auf ein Leben, das nicht auf Ihr Kind wartet.

    Geldbildung und Finanzbildung: der Unterschied

    Finanzbildung erklärt Produkte: das Girokonto, die Versicherung, den Kredit, das Sparkonto. Das ist wichtig und braucht seine Zeit. Geldbildung beginnt früher und geht tiefer: Sie hilft Ihrem Kind zu verstehen, wie Geld funktioniert, was Werte mit Geldentscheidungen zu tun haben und wie das eigene Verhältnis zum Geld entsteht.

    An einem Beispiel: Finanzbildung erklärt, wie ein Handyvertrag abgerechnet wird. Geldbildung fragt vorher: Will ich das wirklich? Will ich das, weil ich es brauche, oder weil die Freunde es haben? Was passiert mit meinem Geld, wenn ich es hier ausgebe? Wer diese Fragen übt, trifft später Entscheidungen aus eigener Überzeugung.

    Finanzbildung erklärt Produkte. Geldbildung macht urteilsfähig. Ihr Kind braucht beides: zuerst die Urteilsfähigkeit, dann die Produkte.

    Emotionale und rationale Kompetenz

    Beim Geld entscheidet immer beides: der Kopf und das Gefühl. Die rationale Kompetenz ist das Wissen: Zusammenhänge verstehen, Preise vergleichen, Folgen abschätzen. Die emotionale Kompetenz ist das Spüren: der Wunsch nach Dazugehörigkeit, der Stolz auf das erste eigene Geld, die Enttäuschung, wenn andere mehr haben.

    Wissen allein reicht deshalb nicht. Die Werbung, die Ihr Kind erreicht, arbeitet gezielt mit Gefühlen: mit Zugehörigkeit, Status und dem Gefühl, etwas zu verpassen. Wer sein eigenes Muster erkennt, hat einen Schutz, den keine Preisvergleichstabelle bietet: Es kann einen Impuls benennen und danach entscheiden, ob es dem Impuls folgt.

    Beide Kompetenzen lassen sich lernen, in beiden Richtungen. Kinder, die ihre Gefühle beim Geld benennen dürfen, werden später zu Erwachsenen, die ruhig und klug über ihr Geld entscheiden können.

    Worauf Sie achten sollten: Unabhängigkeit

    Banken, Versicherungen und Kapitalmarktakteure bieten teilweise „Bildungsmaterial“ an. Dahinter steht ein berechtigtes eigenes Interesse: der Absatz ihrer Produkte. Ein Heft, das mit einem bestimmten Anbieter endet, ist ein Werbemittel, auch wenn es freundlich gestaltet ist. Für Ihr Kind heißt das: Es lernt die Antwort, die jemand brauchen kann, anstelle der Frage, die ihm selbst gehört.

    Unabhängige Bildung hat nichts zu verkaufen. Sie kann deshalb die Wahrheit über Mechanismen benennen, die im Zahlenwerk weniger glänzen und Ihr Kind beim Üben begleiten, ohne am Ergebnis mitzuverdienen. Genau darin liegt ihr Wert: Sie macht urteilsfähig, anstelle von Meinungen zu überzeugen.

    Drei Fragen helfen Ihnen, Angebote einzuschätzen:

    • Wer trägt das Angebot und verdient jemand am Ergebnis der Entscheidung?
    • Werden Produkte genannt oder werden Fragen und Zusammenhänge geübt?
    • Lädt das Angebot Ihr Kind ein, selbst zu urteilen, ohne dass am Ende ein Produkt im Raum steht?

    Was Sie zu Hause tun können

    Geldbildung braucht keinen Studienabschluss und kein eigenes Konto. Sie beginnt in Situationen, die ohnehin stattfinden:

    Sichtbarkeit: Kinder, die Bargeld sehen und zählen dürfen, verbinden mit Geld etwas Greifbares. Auch ein gemeinsames Prüfen der Abrechnung am Küchentisch zeigt: Hier passiert etwas, das mich angeht.

    Eigene Entscheidungen üben: Ein Taschengeld, über das Ihr Kind frei entscheidet, einschließlich der Enttäuschung, wenn es aufgebraucht ist, lehrt mehr als jede Ermahnung. Der Fehler im Kleinen ist die Übung für das Große.

    Gefühle benennen: Sprechen Sie darüber, warum der Wunsch heute so groß wirkt: Weil es gebraucht wird? Weil andere es haben? Wer die Gefühle kennt, die beim Geld mitspielen, gewinnt Abstand und damit Wahlmöglichkeiten.

    Ehrlichkeit vor Perfektion: Das passiert auch Eltern im echten Leben: Man darf zugeben, wenn man eine Frage nicht sofort beantworten kann. Ein ehrliches „Das frage ich auch gern nach“ ist Geldbildung in seiner schönsten Form: Es zeigt, dass Neugier und Nachfragen zum Leben gehören.

    Wie es an der Schule weitergeht

    Nicht jede Familie hat Zeit, Ruhe oder eigene Erfahrung, um Geldfragen zu begleiten. Genau deshalb ist die Schule der Ort, an dem Geldbildung für alle Kinder ankommt, unabhängig von Herkunft und Wohnzimmer. Die OECD empfiehlt seit 2024 eine nationale Finanzbildungsstrategie (OECD 2024). Bis diese Strategie ankommt, entscheidet jede Einrichtung selbst, wie früh sie ansetzt.

    Sie können diese Entwicklung begleiten: Teilen Sie diese Elterninformation mit dem Elternrat Ihrer Schule, sprechen Sie das Kollegium an oder verweisen Sie gemeinsam auf unabhängige Programme. Das Institut für Geldkultur® unterstützt Schulen, Bildungseinrichtungen und Hochschulen im gesamten deutschsprachigen Raum mit Programmen von der Grundschule bis zur Hochschule.

    Ein guter nächster Schritt ist das Programm Happy Money, Happy Life für Schülerinnen und Schüler oder ein Blick in unseren Ratgeber für Lehrkräfte, den Sie der Schule Ihres Kindes gern weitergeben dürfen.

    Häufige Fragen

    Quellen und Weiterlesen

    • OECD (2024): Finanzkompetenz in Deutschland stärken. oecd.org
    • OECD (2024): PISA 2022 Results, Volume IV. How Financially Smart Are Students? oecd.org

    Wofür das Institut für Geldkultur® steht, lesen Sie in unserer Haltung und auf der Seite Unabhängige Geld- und Finanzbildung.

    Bringen Sie Geldbildung an die Schule Ihres Kindes

    Nennen Sie uns die Schule und wir melden uns dort.