Institut für Geldkultur®

    Wissen · Methodik

    Warum Finanzbildung
    zu kurz greift.

    Finanzbildung erklärt Produkte. Geldbildung macht urteilsfähig.

    Zuerst die Begriffe

    Geld ist der Alltag.
    Finanzen sind ein Ausschnitt.

    Geld begegnet jedem Menschen täglich. Was kommt herein, was geht hinaus, wofür wird es verwendet, was wird eingeteilt, was zurückgelegt. Das beginnt beim Wochenplan und endet bei der Frage, wofür man arbeitet.

    Finanzen sind ein Ausschnitt davon. Sie umfassen Produkte und Verträge, mit denen Geld bewegt, abgesichert oder angelegt wird. Konten, Kredite, Versicherungen, Anlagen, Vorsorge. Finanzen existieren, weil es Geld gibt. Nicht umgekehrt.

    Geld ist also das Ganze. Finanzen sind ein Teil davon. Diese Reihenfolge prägt alles, was folgt.

    Drei Ebenen, drei Aufgaben

    Es gibt nicht das eine Geld.
    Also nicht die eine Antwort.

    Bildung über Geld beginnt mit drei Fragen. Wie entsteht und verdient man Geld? Wie geht man damit um? Und erst danach: Worin investiert man?

    Das Sankt Galler Modell für Integrierte Geld-, Werte- und Wirtschaftsbildung unterscheidet drei Ebenen, auf denen Geld im Leben wirkt. Auf jeder Ebene wird eine andere Kompetenz nötig.

    Ebene 01

    Geld, das ich verdiene.

    Eine Frage von Können, Wert, Beitrag, Verhandlung. Hier wirkt die rationale Geldkompetenz: zu wissen, was die eigene Arbeit wert ist, wie Geld verdient und organisiert wird. Finanzbildung spielt hier keine Rolle.

    Was hier trägt

    Rationale Geldkompetenz

    Ebene 02

    Geld, mit dem ich umgehe.

    Der Alltag. Einteilen, planen, abwägen, entscheiden, was zählt. Hier wirken zwei eigenständige Kompetenzen: die rationale Geldkompetenz für den bewussten Umgang und die emotionale Geldkompetenz für Prägungen, Erfahrungen und Gefühle. In ihrer Verbindung entsteht der bewusste Umgang mit Geld.

    Was hier trägt

    Rationale & emotionale Geldkompetenz

    Ebene 03

    Geld, das ich anlege.

    Erst hier betreten Finanzprodukte die Bühne. Es braucht rationale Finanzkompetenz für Märkte, Zusammenhänge und Entscheidungen und emotionale Finanzkompetenz für den Umgang mit Risiko und Unsicherheit. Sie trägt nur, wenn die ersten beiden Ebenen stehen.

    Was hier trägt

    Rationale & emotionale Finanzkompetenz

    Zwei von drei Ebenen brauchen keine Finanzbildung. Sie brauchen Geldbildung. Erst die dritte Ebene macht Finanzkompetenz nötig und sie trägt nur, wenn die ersten beiden stehen.

    Zwei Dimensionen, vier Kompetenzen

    Den Menschen verstehen
    heißt beides verstehen.

    Menschen entscheiden rational und emotional zugleich. Beides will gelernt sein. Und beides hat im Sankt Galler Modell unterschiedliche Inhalte, je nachdem, ob es um den Alltag mit Geld oder um Finanzprodukte geht.

    So entstehen vier eigenständige Kompetenzen mit jeweils eigenem Stoff.

    Emotional

    Emotional · Geldkompetenz

    Prägungen, Erfahrungen, Bedürfnisse, Gefühle. Wie Geld erlebt und bewertet wird.

    Emotional · Finanzkompetenz

    Umgang mit Risiko und Unsicherheit. Handlungsfähig bleiben, auch wenn Märkte schwanken.

    Rational

    Rational · Geldkompetenz

    Verdienen, ausgeben, einteilen, organisieren. Den Alltag klar und nachvollziehbar gestalten.

    Rational · Finanzkompetenz

    Märkte, Zusammenhänge, Entscheidungen. Chancen, Risiken und Rahmenbedingungen einordnen.

    Erst wenn beide Dimensionen verstanden sind, im Alltag und im Umgang mit Produkten, trägt das Wissen wirklich.

    Und der Rahmen drumherum

    Niemand handelt
    im luftleeren Raum.

    Jeder Mensch ist in eine Wirtschaft eingebunden. In Arbeit, in Märkte, in Preise, in Steuern, in Konjunktur, in geopolitische Bewegungen. Wer den eigenen Umgang mit Geld einordnen will, braucht ein Verständnis für diesen Rahmen.

    Wirtschaftsverständnis bedeutet zu wissen, wie das eigene Tun mit dem Ganzen zusammenhängt, im Heute und mit Blick auf morgen. Es macht aus persönlichen Entscheidungen tragfähige Entscheidungen.

    Deshalb heißt unser Modell vollständig „Sankt Galler Modell für Integrierte Geld-, Werte- und Wirtschaftsbildung". Geld, Werte und Wirtschaft gehören zusammen.

    Im direkten Vergleich

    Zwei Bildungsbegriffe.
    Zwei sehr verschiedene Wirkungen.

    Finanzbildung

    Erklärt Produkte.

    Geldbildung

    Macht urteilsfähig.

    Finanzbildung

    Antwortet: Was soll ich kaufen?

    Geldbildung

    Antwortet: Was will ich mit meinem Leben?

    Finanzbildung

    Vermittelt Information über Märkte und Verträge.

    Geldbildung

    Vermittelt Haltung, Orientierung, Entscheidungsfähigkeit.

    Finanzbildung

    Trennt das Rationale vom Emotionalen.

    Geldbildung

    Erkennt beides in jeder Geldentscheidung.

    Finanzbildung

    Misst Erfolg in Rendite.

    Geldbildung

    Misst Erfolg in Selbstbestimmung.

    Finanzbildung

    Wird oft von denen gegeben, die verkaufen.

    Geldbildung

    Gehört in unabhängige Hände.

    Der verbreitete Begriff

    Ein Begriff macht Karriere.
    Und greift doch zu kurz.

    Der heute verbreitete Begriff Finanzbildung kam aus dem englischen Sprachraum zu uns, dort spricht man von financial literacy. International geprägt wurde er vor allem seit den 2000er Jahren, unter anderem durch die OECD. Gemeint sind damit Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen im Umgang mit Geld und Finanzprodukten.

    In der Praxis zeigt sich dabei eine deutliche Verschiebung: Wo Finanzbildung bei Produkten beginnt, bei Konten, Krediten, Anlagen und Vorsorge, wird der Mensch vor allem in seiner Rolle als Verbraucher angesprochen. Die Frage nach dem Leben mit Geld, nach Bedürfnissen, Wünschen, Zielen und Werten, bleibt dabei meist außen vor. Sie beginnt früher. Und sie entscheidet, ob Produktwissen überhaupt trägt.

    Geldbildung beginnt deshalb früher. Sie fragt, wie Menschen Geld verdienen, einteilen, verwenden und mit ihren Lebensentscheidungen verbinden. Finanzbildung bleibt wichtig. Sie ist ein Teil davon, aber nicht das Ganze.

    Wer erst beim Finanzprodukt beginnt, hat den größten Teil des Lebens mit Geld bereits übersprungen.

    Die Bildungslücke

    Bildung, die fehlt,
    ist Bildung, die fehlt.

    Zu Hause nicht gelernt. In der Schule nicht gelernt. Im Unternehmen vorausgesetzt. Die Folgen tragen der Mensch selbst und jedes Unternehmen, in dem er arbeitet.

    Zu Hause

    Zu Hause nicht gelernt.

    In den meisten Familien spricht man nicht über Geld. Oft fehlt die eigene Erfahrung damit, Geldfragen offen anzusprechen und verständlich zu erklären.

    • Kinder übernehmen Ängste, Glaubenssätze und Vermeidungsmuster ihrer Eltern.
    • Geld wird zum Tabuthema. Wer nicht fragt, lernt nicht.
    • Ein verzerrtes Verhältnis zu Wert, Leistung und Konsum entsteht früh.

    In der Schule

    In der Schule nicht gelernt.

    Lehrpläne vermitteln Algebra, Gedichtanalyse und Periodensystem. Der Umgang mit Geld, die eigene Vorsorge und wirtschaftliche Zusammenhänge brauchen ebenso einen festen Platz in der Bildung.

    • Junge Menschen brauchen finanzielle Grundkompetenzen für den Schritt ins eigenständige Leben.
    • Konsumentscheidungen werden oft getroffen, bevor die Bedeutung von Geld verstanden ist.
    • Verschuldung kann schon mit dem ersten eigenen Konto beginnen.

    Im Unternehmen

    Im Unternehmen vorausgesetzt.

    Unternehmen setzen wirtschaftliches Denken voraus. Für viele Mitarbeiter beginnt hier die Gelegenheit, den Umgang mit Geld und wirtschaftliche Zusammenhänge bewusst zu lernen.

    • Finanzieller Stress bindet Konzentration, Motivation und Energie.
    • Wertekompetenz hilft, Konflikte, Neid und Vergleiche einzuordnen.
    • Unternehmen können Geldbildung als Lernort ermöglichen und damit Menschen und Organisation stärken.

    Was auf dem Spiel steht

    Wer Geld nicht versteht,
    verliert mehr als Geld.

    Ruhe.

    weil unklar bleibt, was zählt.

    Klarheit.

    weil Zahlen ohne Sinn nichts ordnen.

    Selbstbestimmung.

    weil andere entscheiden, wenn man es nicht selbst tut.

    Würde.

    weil Abhängigkeit erlebt wird, nicht nur erlitten.

    Zukunft.

    weil heute prägt, was morgen möglich ist.

    Darum ist Geldbildung kein Komfort, sondern eine Grundbedingung für ein selbstbestimmtes Leben.

    Die Folgen

    Die Folgen
    für Mensch und Wirtschaft.

    Der Mensch

    Was es mit dem Einzelnen macht.

    • Dauerstress durch ungelöste Geldthemen. Offene Rechnungen, Konsumdruck, Schulden laufen permanent mit.

    • Ein verzerrtes Verhältnis zu Wert und Gegenwert. Wer nie gelernt hat, was Leistung kostet, trifft falsche Entscheidungen.

    • Scham und Vermeidung. Geld wird zum Tabuthema. Wer nicht hinschaut, verliert die Kontrolle.

    • Emotionale Aufladung. Neid, Statusdruck, Mangeldenken. Das verschwindet nicht an der Bürotür.

    Die Wirtschaft

    Was es der Wirtschaft kostet.

    • Schlechtere Entscheidungen. Zu kurzfristig, zu impulsiv, ohne Verständnis für Aufwand und Folgen.

    • Geringere Leistungsfähigkeit. Wer unter finanziellem Druck steht, ist körperlich da, aber innerlich gebunden.

    • Fehlendes Werteverständnis. Wer nur den eigenen Vorteil sieht, ohne zu verstehen, wie Leistung, Wert und Gegenwert zusammenhängen, schadet dem Ganzen.

    • Fehlende wirtschaftliche Mitverantwortung. Ohne Geldverständnis fehlt unternehmerisches Bewusstsein.

    Eine Frage der Unabhängigkeit

    Bildung gehört
    in unabhängige Hände.

    Wer Finanzprodukte verkauft, ist kein Bildungsakteur. Fachliche Nähe ist keine pädagogische Eignung. Das gilt für Banken, Versicherungen und für alle, die ein Eigeninteresse an Ihrer Entscheidung haben.

    Geldbildung lebt davon, dass sie keine Antwort verkaufen muss. Sie stellt Fragen, ordnet Zusammenhänge und überlässt die Entscheidung dem Menschen, der sie trifft.

    Das Institut für Geldkultur® ist deshalb seit 2013 unabhängig von Banken, Versicherungen und Kapitalmarktinteressen.

    Aus der Unterscheidung werden Angebote

    Geldbildung, die ankommt.
    Bei uns in vier Formaten.

    Die Unterscheidung zwischen Geldbildung und Finanzbildung ist kein akademisches Spiel. Sie bestimmt, wie wir Workshops, Programme und Weiterbildungen bauen — für unterschiedliche Zielgruppen und Lernorte.

    Wie wir Geldbildung machen

    Aus dieser Unterscheidung
    wird ein ganzes Modell.

    Damit Geldbildung trägt, braucht sie ein Fundament. Bei uns ist das das Sankt Galler Modell für Integrierte Geld-, Werte- und Wirtschaftsbildung.